Allgemeine Informationen zu Enrichment im Unterricht und zu Hause

Hochbegabte Kinder sind im Unterricht häufig unterfordert. Abhilfe kann die Verwendung alternativer Unterrichtsmaterialien, das Bearbeiten von Wettbewerbsaufgaben oder die parallel zum Unterricht stattfindende Teilnahme an Online-Kursen, Pull-Out-Angeboten, eigenen Projekten oder einem Frühstudium schaffen. Man spricht dabei von Enrichment, also einer Anreicherung des Unterrichts. Dabei sollten die folgenden Aspekte beachtet werden:

  • Enrichment ist keine Belohnung dafür, die regulären Aufgaben möglichst schnell und korrekt abgearbeitet zu haben. Es wird also nicht zusätzlich, sondern anstelle eines Teils der oder aller regulären Aufgaben eingesetzt.
  • Eine Aufgabe wird nicht dadurch für Hochbegabte geeignet, dass sie länger oder aufwendiger zu bearbeiten ist, sondern indem sie einen höheren Komplexitätsgrad besitzt. Beispiel: Eine Additionsaufgabe wird für einen guten Rechner nicht anspruchsvoller, wenn mehr Zahlen addiert werden müssen. Stattdessen könnte die Aufgabenstellung lauten: „Das Ergebnis einer Aufgabe ist 87. Finde fünf verschieden Plusaufgaben dazu. Erkläre schriftlich, warum es unendlich viele solcher Aufgaben gibt.“
  • Enrichment greift nie dem Unterrichtsstoff vor, es werden also keine Aufgaben höherer Jahrgänge bearbeitet, es sei denn, dies bereitet explizit eine Folgemaßnahme wie das Überspringen einer Klasse oder ein Frühstudium vor. Andernfalls verschärft dieses Vorgehen nur die Langeweile im höheren Jahrgang.
  • Hochbegabte Kinder verfügen nicht automatisch über einen hohen Selbstständigkeitsgrad, eine gute Arbeitsorganisation oder ausreichendes Durchhaltevermögen. Kindern, die aus einer längeren Unterforderungsphase kommen, fällt es zudem oft schwer, die Startmotivation für komplexere Aufgaben aufzubringen. Hochbegabte Kinder müssen also beim Enrichment angemessen unterstützt werden. Ebenso brauchen Sie eine Möglichkeit, ihre Ergebnisse einem interessierten Publikum vorzustellen oder sich mit Gleichgesinnten dazu auszutauschen.
  • Enrichment ist nur in einem Umfang sinnvoll, der dem Kind noch erlaubt, neuen Unterrichtsstoff mitzubekommen oder selbstständig nachzuarbeiten. Eine Leistungserhebung im betroffenen Fach muss möglich bleiben. Je nach Leistungsstand und Selbstständigkeit des Kindes müssen hier vor dem Start des Enrichment individuelle Vereinbarungen getroffen werden.
  • Je nach Motivation des Kindes können die Angebote aus dem Enrichment auch außerhalb von Schule fortgesetzt oder sogar vollständig privat betrieben werden. Dies kann auch für Eltern eine willkommene Zusatzbeschäftigung für Nachmittage oder Wochenenden darstellen. Die Bereitstellung von Enrichment sollte aber nicht an diese Bedingung geknüpft sein. Es ist in Ordnung, wenn ein hochbegabtes Kind schulähnliche Aktivitäten nur im schulischen Umfeld ausüben will und nachmittags lieber spielt.

Auf den nächsten Seiten haben wir eine Auswahl verschiedener möglicher Arbeitsmaterialien und Online-Angebote zusammengestellt. Nicht alle Arbeitshefte werden noch aufgelegt, können aber häufig gebraucht bezogen werden oder stehen als Beispiel für ähnliche, aktuelle Hefte. Statt Links zu Online-Angeboten verwenden wir eine genaue Beschreibung, mit der sich die jeweils aktuelle Seite per Internet-Suche finden lässt.